Medikamentös toxische Schäden

Leberzentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Stephan Kersting, MBA

Schädigung durch Medikamente und Gifte

Die Fähigkeit der Leber, Medikamente und Toxine aufzunehmen und zu konzentrieren, macht sie auch für Schädigungen anfällig. Durch Medikamente verursachte Leberschäden sind in den USA die häufigste Ursache für ein fulminantes Leberversagen. Neben zugelassenen Pharmaka (Antibiotika, Schmerzmittel, Chemotherapeutika, etc.) und bekannten Giften (Knollenblätterpilz, Tetrachlorkohlenstoff) führen in den letzten Jahren immer häufiger Phytotherapeutika (pflanzliche Heilmittel z.B. aus dem Bereich der traditionellen Chinesischen Medizin) zu Leberschädigungen.

Am häufigsten tritt die toxische Leberschädigung durch direkte chemische Reaktion in den Leberzellen auf, wobei diese vorhersehbar, dosisabhängig und reproduzierbar ist. In aller Regel setzt die schädigende Wirkung sofort ein wie z.B. bei Überdosierung von Acetaminophen (Paracetamol).
Im Gegensatz dazu ist die sogenannte idiosynkratische Leberschädigung nicht vorhersehbar, nicht dosisabhängig und nur partiell reproduzierbar. Sie betrifft nur Personen mit spezifischer Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Substanzen.

Ein spezifischer Marker für einen medikamentösen Leberschaden existiert nicht. Die Krankheitszeichen bei Leberkrankheiten sind häufig sehr unspezifisch (Müdigkeit, Oberbauchschmerz). Daher müssen im Rahmen der Abklärung einer medikamenteninduzierten Leberschädigung andere Ursachen ausgeschlossen werden. Um letztlich einen kausalen Zusammenhang zwischen einer auslösenden Substanz und einem Leberschaden herzustellen, ist eine akribisch durchgeführte Krankengeschichte (Anamnese) von besonderer Wichtigkeit. Bei Anzeichen einer anhaltenden Leberschädigung sollte eine Lebergewebeentnahme (Biopsie) mit feingeweblicher Analyse erfolgen, um Einblick über die Art und das Ausmaß der Leberschädigung zu erhalten.

Die Therapie besteht zunächst im Absetzen des verdächtigen Präparates. In den meisten Fällen sind Symptome und erhöhte Leberwerte nach Absetzen der auslösenden Substanz rückläufig.