Hepatozelluläres Karzinom

Leberzentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Stephan Kersting, MBA

Hepatozelluläres Karzinom

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) entsteht in der Regel in der vorgeschädigten Leber. Risikoerkrankungen sind alle chronischen Lebererkrankungen wie z.B. chronische virale Leberentzündungen, chronischer Alkoholkonsum, Stoffwechselerkrankungen, u.v.a.m.. Bislang ist die Häufigkeit in Asien und den Entwicklungsländern höher als die in Europa oder den USA. Allerdings steigt die Erkrankungshäufigkeit bei uns in den letzten Jahren, so dass ein deutlicher Zuwachs an Erkrankungsfällen zu erwarten ist.

Leider existieren vor allem im Anfangsstadium der Tumorerkrankung keine typischen Symptome, so dass das HCC oft erst in einem späten und kaum therapierbaren Stadium diagnostiziert wird. Die Symptome können von unspezifischen Oberbauchbeschwerden bis hin zu Gelbsucht, Gerinnungsstörungen und Bauchwasser als Zeichen der Leberdekompensation reichen.

Um eine Diagnose so früh wie möglich zu stellen, sollten in allen Risikogruppen, d.h. bei allen Patienten mit chronischen Lebererkankungen, regelmäßige Screeninguntersuchungen durchgeführt werden. Hierfür sind in 6-monatigem Abstand Ultraschalluntersuchungen empfohlen. Bei unklaren oder widersprüchlichen Befunden ist ggf. ein weiteres bildgebendes Verfahren, wie z.B. ein MRT oder ein Kontrastmittelultraschall, durchzuführen. Hier zeigen sich beim HCC oft typische morphologische Zeichen. Bei unklaren Raumforderungen der Leber ist in jedem Fall eine Punktion mit nachfolgender feingeweblicher Beurteilung durchzuführen.

Die stadiengerechte Therapie des HCCs ist in den letzten Jahren aufgrund neuer Therapieoptionen aus verschiedenen Fachdisziplinen komplexer geworden. Dies findet am Leberzentrum Erlangen besondere Berücksichtigung, da alle Patienten mit HCC in der sogenannten Leberkonferenz besprochen werden. In den frühen Stadien stehen operative oder interventionelle Verfahren im Vordergrund. Bei Vorhandensein einer Leberzirrhose mit einzelnen Herden (1 Tumor 5 cm bzw. 3 Knoten bis max. 3 cm) ist eine Lebertransplantation anzustreben.

Falls eine Transplantation nicht möglich ist, sollte eine Leberresektion oder eine sogenannte Radiofrequenzablation, bei der eine Nadel zur Hitzeapplikation in den Tumorherd vorgeschoben wird, evaluiert werden. Bei größeren Tumorherden ist eine sogenannte TACE (transarterielle Chemoembolisation) möglich. Hierbei wird über eine Arterie in der Leiste ein Katheter bis an den Lebertumor vorgeschoben und hierüber Chemotherapie-beladene Kügelchen appliziert. Bei Tumorherden, die aufgrund Anzahl oder Größe nicht mit einer TACE behandelt werden können, wird die Indikation für eine SIRT-Therapie überprüft. Bei dieser Maßnahme werden radioaktiv markierte Kügelchen über die Leberarterie in die Tumorherde appliziert. Bei weit fortgeschrittenen Tumoren, insbesondere bei Vorliegen von Fernmetastasen, ist eine "systemische" Therapie mit dem Medikament "Nexavar" zu prüfen. Voraussetzung für den Einsatz der Substanz ist eine ausreichend gute Leberfunktion. Als häufigste Nebenwirkungen sind Durchfälle und Hautausschlag zu nennen. Weitere Substanzen befinden sich derzeit in klinischer Prüfung.