Chronische Hepatitis B

Leberzentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Stephan Kersting, MBA

Chronische Hepatitis B

Von einer Infektion mit dem Hepatitis B-Virus sind weltweit 300 bis 400 Millionen Menschen betroffen, wobei es erhebliche regionale Unterschiede gibt. In Teilen Afrikas oder Asiens betrifft die Erkrankung bis zu 30% der Bevölkerung, während sie in Nordamerika oder Westeuropa mit etwa 0,5% wesentlich seltener auftritt. Die Infektion erfolgt entweder während der Geburt von der Mutter auf das Kind, über Geschlechtsverkehr oder durch Blutkontakt. Risikogruppen sind neben Drogenabhängigen oder Menschen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern auch Beschäftigte in Krankenhäusern oder Arztpraxen, Lebenspartner von Infizierten und Patienten, die häufig mit Blutprodukten in Kontakt kommen.

Eine wirksame, gut verträgliche Impfung steht seit vielen Jahren zur Verfügung. Der übliche zwischenmenschliche und familiäre Kontakt wie die gemeinsame Benutzung von Essbesteck oder Toiletten ist jedoch ungefährlich. Ein großer Teil der im Erwachsenenalter Infizierten wird überhaupt nicht krank. Bei anderen kommt es zu einer sehr unangenehmen akuten Erkrankung mit Unwohlsein, Schwäche, Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Gelbsucht (Ikterus). Diese Erkrankung führt zu sehr stark erhöhten Leberwerten. Sie mündet dann in einer Ausheilung oder - seltener - in eine langdauernde (chronische) Hepatitis. Vielfach hinterlässt die Ausheilung ebenfalls eine Immunität. Sehr selten kann eine akute Hepatitis B auch zum lebensgefährlichen akuten Leberversagen führen. Nicht wenige Patienten bemerken ihre Hepatitis B-Infektion gar nicht, weil die Krankheit von Anfang an chronisch mit nur mäßig erhöhten Leberwerten verläuft.

Bei weniger als 10% entwickelt sich eine chronische Hepatitis B. Das Risiko einer chronischen Hepatitis B liegt langfristig in der Entwicklung einer Leberzirrhose und eines Leberkrebses. Ziel der Behandlung ist daher die Verhinderung oder Verzögerung einer Leberzirrhose.

Zur Behandlung der chronischen Hepatitis B werden neben Interferon alpha auch Substanzen eingesetzt, die die Vermehrung des Hepatitis B Virus effektiv hemmen können. Ob eine Therapieindikation gegeben ist, und welche Substanz zunächst zum Einsatz kommen soll, muss individuell geprüft werden und hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die mikroskopische Untersuchung von Lebergewebe kann wichtige Informationen über die Notwendigkeit eines Therapiebeginns erbringen.