Autoimmunhepatitis

Leberzentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Stephan Kersting, MBA

Autoimmunhepatitis

Die Autoimmunhepatitis ist eine sehr seltene chronische Lebererkrankung. Sie macht etwa 5% aller chronischen Leberkrankheiten aus. Die Begriffe "autoimmun" (Bestandteile des Immunsystems richten sich gegen den eigenen Körper) und "Hepatitis" (Leberentzündung) beschreiben die Vorstellung über die Entstehung dieser Erkrankung. Man nimmt an, dass der Körper sich im Sinne einer Immunantwort mit Antikörperbildung gegen die eigenen Leberzellen richtet und diese zerstört. Die Folge ist letztendlich eine "Narben"-Leber (Leberzirrhose), in der die Leberzellarchitektur völlig aufgehoben ist.

Betroffen sind vor allem Frauen, deren Alter häufig unter 30 liegt. Eine familiäre Häufung der Erkrankung kann beobachtet werden. Eine exakte Erklärung der Krankheitsentstehung fehlt bislang. Erkrankte Menschen zeigen meistens ganz unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Fieber, Übelkeit, Gewichtsverlust, eventuell auch Gelenkschmerzen oder wiederholte Augenentzündungen. In ca. 10% der Fälle finden sich keine Symptome.

Die Diagnostik der Erkrankung stützt sich im wesentlichen auf erhöhte Leberwerte, auf den Nachweis bestimmter Bestandteile des Immunsystems (Auto-Antikörper) im Blut sowie einer feingeweblichen Untersuchung von Lebergewebe, welches im Rahmen einer Mini-Laparoskopie oder sonographisch-kontrolliert entnommen wurde.

Prinzipiell wird in der Therapie der autoimmunen Leberentzündung versucht, das Immunsystem medikamentös zu hemmen. Dies geschieht durch eine immunsuppresive Kombinationstherapie, bestehend aus Cortisonpräparaten und zum Beispiel Azathioprin, die langfristig (meist mehr als 3 bis 5 Jahre) eingenommen werden müssen. Bei verfrühtem Absetzen der immunsuppressiven Medikation kommt es in der Regel zu einem Rezidiv der Erkrankung. Durch die medikamentöse Behandlung gelingt es, bei den meisten Patienten das Fortschreiten der Lebererkrankung zu verlangsamen bzw. zu verhindern. Es gibt jedoch schwerwiegende Verläufe, insbesondere bei später Diagnosestellung, die gegebenenfalls eine Lebertransplantation erforderlich machen.