Chronische Hepatitis C

Leberzentrum

Sprecher:
Prof. Dr. med. Stephan Kersting, MBA

Chronische Hepatitis C

Weltweit sind ca. 170 Mio. Menschen von einer Infektion mit Hepatitis C Virus betroffen, in Deutschland sind es etwa 500.000. Die Infektion führt in mehr als 80% der Fälle zu einem chronischen Verlauf. Die Übertragung erfolgt, ähnlich wie bei der Hepatitis B oder der HIV-Infektion, über Körperflüssigkeiten z.B. beim Nadelsharing unter Drogenabhängigen oder -- wenn auch seltener -- durch sexuelle Kontakte. Die akute Erkrankung ist in der Regel asymptomatisch; es treten allenfalls unspezifische Beschwerden ähnlich einer Grippe auf. Auch bei der chronischen Hepatitis C kommt es initial zu keinen oder lediglich milden Symptomen wie z.B. Müdigkeit oder Oberbauchschmerzen. Das körpereigene Immunsystem reagiert jedoch auf die dauerhafte Virusvermehrung mit Entzündung und der Einlagerung von Bindegewebe. Mit einer Latenz von 20 -- 40 Jahren kommt es bei ca. 20% der Erkrankten zu einer manifesten Leberzirrhose. Im Blut kann es zur Erhöhung der Leberwerte, insbesondere der Transaminasen (GOT, GPT), kommen. Bei Erhöhung der Leberwerte im Blut wird zunächst eine Untersuchung auf Hepatitis C Virus-Antikörper durchgeführt. Eine manifeste chronische Hepatitis C liegt nur bei Nachweis der Erbsubstanz des Virus (RNA) im Blut vor.

Die chronische Hepatitis C, die in früheren Jahren als schwer zu behandeln galt, lässt sich heutzutage mittels einer Kombinationstherapie sehr häufig erfolgreich behandeln. Da diese Therapie jedoch einen Zeitraum von 16 -- 48 Wochen umfasst und mit starken Nebenwirkungen verbunden sein kann, ist eine Überprüfung der Therapieindikation erforderlich. Primäres Ziel der Therapie ist die Verhinderung der Leberzirrhose einschließlich des Leberkrebses (HCC). Die chronische Hepatitis C stellt grundsätzlich eine Therapieindkation dar, es sei denn Kontraindikationen wie z.B. unkontrollierter Drogenabusus, schwere, unbehandelte psychiatrische Erkrankungen u.a. sprechen dagegen. Bei unklarer Therapieindikation empfehlen wir die Durchführung einer wenig invasiven minilaproskopie-geführten oder sonographisch gesteuerten Leberpunktion im Rahmen eines kurzstationären Aufenthalts. Im Rahmen der Minilaparoskopie kann die Leberoberfläche direkt beurteilt werden und die Lebergewebeentnahme erfolgt unter direkter Sicht. Die histologische Untersuchung beurteilt Grad der Entzündung und der Bindegewebseinlagerung. Dies erlaubt eine Abschätzung des Schweregrads der Erkrankung und der Therapiedringlichkeit.

Es existieren 6 verschiedene Untertypen (Genotyp 1-6) des Hepatitis C Virus, wobei der Genotyp 1 in Mitteleuropa am häufigsten nachgewiesen wird. Die Therapie der genannten Subtypen ist nicht identisch, sondern unterscheidet sich in Dauer, Dosierung der Medikation und Erfolgsaussichten. Durch die Zulassung neuer Substanzen (sogenannte Proteasehemmer) hat sich seit 2011 auch der Behandlungserfolg von Patienten mit Genotyp 1 deutlich verbessert. Die Therapie der chronischen Hepatitis C umfasst heutzutage wöchentliche Injektionen mit langwirksamem (pegylierten) Interferon alpha. Weitere Substanzen, z.T. mit neuem Wirkmechanismus, stehen vor der klinischen Zulassung und werden für bestimmte Patienten eine Interferon-freie Therapie ermöglichen.